Silvester für Daheimgebliebene

End TimeMein Bruder und ich verbringen Silvester bei Oma und Opa. Mama und Papa sind für eine Woche verreist. Wir lieben es bei Oma und Opa, aber doch nicht zu Silvester! Ausgerechnet diesen einen Abend, an dem man als Kind am längsten aufbleiben kann, verbringen wir bei unseren zwar sehr geliebten, aber eben in Kinderaugen alten Menschen! Auf was soll man sich einstellen? Mein Bruder und ich haben schon vorher im Kinderzimmer überlegt wie dieser Abend wohl ablaufen wird. Langweiliges Musikanten-Fernsehen? Kniffeln bis der Arzt kommt? Mensch-ärgere-Dich-nicht bis man heult vor Ärger oder im schlimmsten Falle Kreuzworträtsel! Wenn es so laufen sollte, wird es anstrengend für uns so lange wach zu bleiben. Und dann um 0:00 Uhr – was passiert dann bei Oma und Opa? Raketen und Böller?

Viel Glück !Nein, das fällt bei Oma und Opa aus, weil Oma diese Knallerei nicht mag. Es sei auch viel zu gefährlich… Ruckzuck überzeugt man mich mit dem Argument, dass die Knallerei ja alle Tiere verschreckt. Mein Bruder aber schimpfte wie ein Rohrspätzchen, als Papa uns Tage vor Silvester auf diesen Umstand vorbereitete. Daher lässt mein Bruder sich auch nicht bremsen bereits unten im Treppenhaus bei Ankunft lauthals zu fragen, ob wirklich keine Knaller gekauft wurden. Unsere kleine Oma, die breit lächelnd in der Tür steht, schüttelt den Kopf und streichelt meinem Bruder die Wange und flüstert „Opa hat aber was anderes für Euch.“ „Jawoll!“ ruft mein kleiner Bruder und hüpft hinein. Der Abend beginnt und mein Bruder und ich lümmeln auf dem Sofa, Oma ist in der Küche und Opa betritt das Wohnzimmer mit seinem Laptop. Seit Opa nämlich Mitte des Jahres einen Computerkurs besucht hat, ist das Internet vor ihm nicht mehr sicher. Opa hat sich wohl schon sehr auf unseren Übernachtungsbesuch gefreut, denn er ruft uns zum Esstisch, klappt lächelnd den Computer auf, ruft Oma zu „Sind die Snacks schon fertig?“ und an uns gerichtet „Geht mal eben tragen helfen.“ Mit kleinen Happen bestückt balancieren wir die Teller ins Wohnzimmer. Oma kommt dazu und hat eine kleine Schachtel mit Piksern dabei, die am Ende kleine Landesflaggen haben. Was soll das werden? Mikado mal anders? Opa lacht und schlägt sich vor Vorfreude auf die Schenkel. „Wusstet ihr beiden, dass man Silvester auch ganz oft an einem Abend feiern kann? Ich habe keine Kosten und Mühen gescheut und habe für uns alle eine kleine Rundreise gebucht.“

So geht es los um 17:00 Uhr via Webcam nach China, Peking. Frohes Neues! Und zack die passende Landesflagge aus der Schachtel suchen und ein paar Snacks damit verzieren. 18:00 Uhr und wir bestaunen das Feuerwerk in Thailand, Bangkok. Um 18:30 Uhr wünschen wir den Menschen in Kasachstan alles Gute und jetzt geht es Schlag auf Schlag: 19:00 Uhr Kasachstan; 19:15 Uhr Nepal; 19:30 Uhr Neu-Delhi in Indien; 20:00 Uhr schwenken wir mit der Webcam auf die malerischen Malediven und um 20:30 Uhr sind wir schon im Iran (Teheran). Von dort geht es um 21:00 Uhr weiter nach Mauritius und dann ein Sprung um kurz vor 22:00 Uhr in die Türkei. Mittlerweile sind unsere Snacks reich verziert mit vielen bunten Fahnen und wir schon taumelig vor Feierfreude. Und dann ist es bei uns so weit 5     4          3          2          1          FROHES NEUES! Opa holt eine kleine Dose mit Sägespänen hervor und überreicht uns diese feierlich: „Hier damit ihr wenigstens ein bisschen knallen könnt.“ Mein Bruder und ich werfen Knallfrösche im Hof. Was für ein erfülltes Silvester. Die ganze Welt steht uns offen!

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